Geschichte und Gesellschaft

Patrick Lynch
November 20th, 2009

Laura Dietsch was an intern here last summer on a Leonardo Stipendium. She studied in Dresden and is now studying is Basle. Laura worked with us on stage one of the Abbey Green competition (which we have just won) and on the design of a public library, affordable housing and an office building for Land Securities at Victoria. She sent us this very polite report on her time with us:

“Meine Erfahrungen mit Lynch Architects haben mir Fragen beantwortet, die ich in der Heimat erst noch gesucht habe.

Während meines Studiums hatte ich eine gewisse Unruhe entwickelt, meine Haltung zur Architektur schien mir zunehmend unklar. Ein generelles Verlangen nach mehr philosophischer und geschichtsbezogener Tiefe war die Folge. Das ist vielleicht auch auf pralle Bachelor-Lehrpläne zurückzuführen, in denen man sensiblere Themen vermisst.

An Lynch Architects hatte ich aus vielen Gründen weit mehr Interesse als an anderen Büros. Ich hatte erfahren, dass Mr. Lynch auch an der Metropolitan University unterrichtet. Vor allem aber schien es mir, als sprächen die Projekte von starker Bodenständigkeit und Menschlichkeit. Das steht im Gegensatz zum kommerziellen Design vieler anderer. Außerdem erfuhr ich, dass Mr. Lynch nebenher Artikel für die Fachliteratur schreibt. Ich erhoffte mir interessante Gespräche über Architekturtheorie.

Die Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Mr. Lynch vertritt sehr starke Ansichten, ist ständig neu inspiriert und gibt die Inspiration in äußerst lebhaften Erzählungen weiter. Das freundliche Team von fünf bis sieben Leuten (darunter auch Studenten) integrierte mich wie selbstverständlich in alle Diskussionen – über die weit ausholenden Hintergründe der Designs bis über Planungsschritte und Teamorganisation bekam ich vieles mit. Das machte es möglich, schnell einen Überblick über die verschiedenen aktuellen Tätigkeiten des Büros zu bekommen. Neu war mir auch die Herausforderung, vor die ein so klein besetztes Büro in der Organisation gestellt ist. Unbeeindruckt von Machtwahn und Kommerzialisierung hält das Büro seine tief in Geschichte und Gesellschaft verankerten Ideale.

So wie Mr. Lynch für die Mitarbeiter ausschweifende Theoriestunden hält, gibt ihm die Arbeit, die seine Firma produziert, Stoff für seine eigene Doktorarbeit, die Möglichkeit weiter zu Student zu sein. Es war für mich beruhigend zu sehen, dass man selbst als praktizierender Architekt ständig Neues entdecken und sich für neu erkannte Zusammenhänge begeistern kann. Unter Druck vergisst so mancher Student, dass man nach ein paar (unvermeidlich) oberflächlichen Vorlesungen nicht immer alles in seiner vollen Bedeutung verstanden haben kann. Aber das Lernen hört hier nicht auf. Den Unidruck anders zu bewerten tat mir gut. Diese Erfahrung ist dem Projekt nahe Victoria Station zuzuordnen, anhand dessen Mr. Lynch an seiner Theorie für seine Doktorarbeit schreibt. Besonders dieses Projekt bietet viele Ansätze, an denen Idealismus, Fantasie und Praxis Einklang finden.

Geschichte als Wurzeln der persönlichen Identifikation eines Menschen mit seiner Umgebung zu erkennen – damit kann ich viel mehr anfangen als mit reinen Daten und Fakten. Das zeigte mir der Entwurf für den Abbey Green Barking Wettbewerb. Die geschichtliche Basis hält in diesem Projekt das Neue zusammen, umgekehrt gibt dieses dem Alten einen neuen, respektvollen Rahmen. Die enorme Sensibilität in allen Aspekten war für mich sehr inspirierend.

Rückblickend haben mir alle Projekte die verschiedensten Dinge klarer gemacht, denn sie waren vielfältig und jeweils in einer anderen Bearbeitungs-Phase.

Eine Zeit, in der ich mich mit anderen über Studieninhalte und -ziele beidseitig reflektiert unterhalten konnte. Sie hat mir klar gemacht, dass mir einfach Dinge in der FH fehlen, die man aber durchaus woanders kriegen kann.”

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